Erklärungen
Methodik und Hintergrund
Wie entstehen die Übersichten auf OpenRCV, was bedeuten die Begriffe und Kennzahlen, und wo liegen die Grenzen der Daten? Hier die wichtigsten Punkte.
Worum geht es?
OpenRCV macht die namentlichen Abstimmungen des Europäischen Parlaments durchsuchbar und nachvollziehbar, mit dem Stimmverhalten aller Abgeordneten im Einzelnen. Alle Angaben stammen aus amtlichen Quellen, fast alle unmittelbar aus dem Open-Data-Portal des Parlaments. Für die Aufbereitung werden keine inoffiziellen Drittquellen, keine Schätzungen und keine KI verwendet. Nur zwei gekennzeichnete Funktionen nutzen ein Sprachmodell: „Fragen“ und die Zusammenfassung einer Vorlage, die sich in der Abstimmungsansicht unter „Details zum Verfahren“ aufklappen lässt.
Ausführlich erklärt
Einzelne Fragen auf eigenen Seiten, mit Quellen und aktuellen Zahlen:
- Misstrauensantrag gegen die EU-Kommission
- Namentliche Abstimmung im EU-Parlament
- Abstimmungsergebnisse des EU-Parlaments finden
- Stimmkorrektur im EU-Parlament
- Fraktionen im EU-Parlament und nationale Parteien
Was ist eine namentliche Abstimmung?
Im Plenum wird auf mehrere Arten abgestimmt: per Handzeichen, elektronisch (nur Gesamtzahlen), geheim (etwa bei Wahlen) oder namentlich (Roll-Call Vote, RCV). Nur bei der namentlichen Abstimmung wird festgehalten, wie alle Abgeordneten einzeln gestimmt haben.
OpenRCV wertet ausschließlich diese namentlichen Abstimmungen aus. Die übrigen Abstimmungen haben keine Einzelstimmen; sie erscheinen in der Tagesordnung, vermerkt als „nicht namentlich“, und als Zahl, etwa in der Statistik unter „Auf einen Blick“.
Woher kommen die Daten?
Hauptquelle ist das EP Open Data Portal des Europäischen Parlaments: Abstimmungen, Einzelstimmen und Stimmkorrekturen, Abgeordnete, Vorlagen, Verfahren, Tagesordnungen und Reden. Titel, Ausschüsse und Ergebnisse liegen dort amtlich und mehrsprachig vor, eine maschinelle Übersetzung ist daher nicht nötig. Die Bezeichnungen der Themen (EuroVoc) stammen vom Amt für Veröffentlichungen der EU. Die Porträtfotos sind die offiziellen Fotos des Parlaments; OpenRCV zeigt verkleinerte Kopien der Originale von der Website des Parlaments. Fehlt noch eine Kopie, etwa bei neu hinzugekommenen Abgeordneten, nimmt OpenRCV dasselbe offizielle Porträt aus Wikimedia Commons (zugeordnet über Wikidata) oder lädt das Foto direkt von der Website des Parlaments.
Die Daten stehen unter CC BY 4.0. Der aufbereitete Datensatz lässt sich frei herunterladen (Daten).
Die Funktion „Fragen“
Über „Fragen“ lassen sich Abstimmungen, Abgeordnete, Fraktionen und Länder in eigenen Worten nachschlagen. Die Antworten schreibt das Sprachmodell Claude von Anthropic. Es arbeitet nur mit den Daten von OpenRCV, also den amtlichen Abstimmungsdaten des Parlaments, und verlinkt die Abstimmungen und Profile, auf die es sich stützt.
Ein Sprachmodell kann sich irren oder Zusammenhänge verkürzen. Maßgeblich sind die verlinkten Belege und die Zahlen auf den Seiten selbst. Außer diesen Antworten und den gekennzeichneten Zusammenfassungen der Vorlagen entsteht alles auf OpenRCV ohne KI, also Ergebnisse, Kennzahlen und Grafiken.
OpenRCV speichert Fragen und Antworten nicht; der Verlauf bleibt nur in Ihrem Browser, bis Sie den Tab schließen. Wohin die Fragen zur Beantwortung gehen, steht in der Datenschutzerklärung.
Plenum: Tagesordnung und Ablauf
Unter „Plenum“ steht für jede Sitzungswoche seit Juli 2024, was im Plenum verhandelt wurde: Aussprachen und Abstimmungen Tag für Tag, mit Uhrzeit und Ergebnis. Vergangene Sitzungstage folgen dem Protokoll des Parlaments mit den tatsächlichen Uhrzeiten, kommende dem Entwurf der Tagesordnung. Der Entwurf ändert sich oft noch bis in die Sitzungswoche; OpenRCV ruft ihn deshalb regelmäßig neu ab.
Aussprache und Abstimmung zum selben Gegenstand liegen oft Tage auseinander. OpenRCV verknüpft sie, wenn sie in derselben Woche stattfinden und dasselbe Dokument (etwa einen Bericht A10-…) oder dasselbe Verfahren betreffen, sonst bei sehr ähnlichem Titel. Wer auf einen verknüpften Punkt zeigt oder ihn antippt, sieht den Partner hervorgehoben. Abstimmungen ohne namentliche Stimmabgabe stehen in der Tagesordnung, haben aber keine Einzelstimmen.
Verfahrenspunkte wie Eröffnung, Genehmigung des Protokolls oder Erklärungen zur Abstimmung sind zunächst ausgeblendet und lassen sich einblenden. Aktenzeichen wie A10-0265/2026 führen zum Volltext auf europarl.europa.eu, Verfahrenskennungen wie 2026/2925(RSP) zur Verfahrensakte in der Legislativen Beobachtungsstelle des Parlaments.
Uhrzeiten. Angegeben ist der Beginn jeder namentlichen Abstimmung laut den Beschlussdaten des Parlaments, in Ortszeit (Brüssel und Straßburg). In der Sommerzeit liefern diese Daten die Uhrzeit eine Stunde zu spät; OpenRCV berichtigt das je Sitzungstag und prüft es gegen den Ablauf laut Protokoll. Abstimmungen per Handzeichen, elektronisch ohne Namensliste oder geheim haben keine Uhrzeit. Ein Abstimmungsblock endet, wenn länger als 15 Minuten keine namentliche Abstimmung folgt. „Im Schnitt“ ist das Mittel der Abstände bis fünf Minuten zwischen zwei namentlichen Abstimmungen, „bei der Hälfte höchstens“ deren Median.
Zeit seit dem Bericht. Gezählt werden die Tage vom Datum des Ausschussberichts für das Plenum (A-Dokument) bis zur namentlichen Schlussabstimmung. Nicht enthalten sind Vorlagen ohne Ausschussbericht, Beschlüsse ohne Namensaufruf und laufende Verfahren; Kommissionsvorschlag und Arbeit des Rats stehen nicht in den Daten. Bei Gesetzgebung mit Einigung mit dem Rat enthält die Zeit die Verhandlungen. Ein Bericht mit zwei Schlussabstimmungen erscheint mit zwei Punkten. Die Einteilung nach Verfahrensart ist dieselbe wie bei den federführenden Ausschüssen. Bei Gesetzgebung gilt als Einigung mit dem Rat, wenn die Hauptabstimmung über eine vorläufige Einigung oder einen gemeinsamen Entwurf geht, und jede 3. Lesung; alle anderen Lesungen, auch die 2., stehen unter „Ohne Einigung“. Trägt ein Titel noch keine Verfahrenszeichen, etwa in der jüngsten Woche, entscheidet die Verfahrensart des Verfahrens.
Wortmeldungen und Redezeit. Gezählt werden gesprochene Wortmeldungen in den Plenardebatten seit Juli 2024, mit der Dauer laut Wortprotokoll. Seit dem 23. Oktober 2026 zählen Beiträge vom Vorsitz aus (Sitzungsleitung durch Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten), schriftliche Erklärungen und doppelte Einträge nicht mehr mit; im Profil stehen die Beiträge vom Vorsitz aus getrennt. Wer am Redetag keiner Fraktion angehörte, etwa als Mitglied der Kommission, zählt nicht. Bei der Präsidentin zählen alle Zeilen als Beiträge vom Vorsitz aus, weil sich ihre Sitzungsleitung in den Daten nicht von eigenen Wortmeldungen trennen lässt; sie hat deshalb keine Wortmeldungen und keinen Rang. Redezeit nach Fraktion zählt nach der Fraktion am Redetag und ohne Berichterstattung; Vergleichswert ist die Redezeit, die die Tagesordnung den Fraktionen zuteilt, an den Sitzungstagen mit Redezeitplan. Spontane Wortmeldungen (catch the eye), blaue Karten und Antworten stecken in der Zeit der Fraktion, deshalb stehen dort nur Anteile. Ein Teil der Redezeit geht zu gleichen Teilen an alle Fraktionen, der Rest nach Größe; kleine Fraktionen erhalten so mehr als ihren Sitzanteil.
Berichte nach Fraktion. Gezählt werden Berichte (A-Aktenzeichen) mit namentlicher Schlussabstimmung seit Juli 2024, jeder Bericht einmal; bei zwei Schlussabstimmungen gilt die letzte. Ko-Berichterstattung zählt anteilig, maßgeblich ist die Fraktion am Abstimmungstag; wer an diesem Tag keinen Sitz mehr hatte, zählt nicht mit. Vergleichswert ist der Sitzanteil an diesen Tagen. Die Ausschüsse vergeben Berichte über ein Punktesystem nach Fraktionsgröße; die Zahl ist kein Leistungsmaß. Berichte ohne namentliche Schlussabstimmung, etwa die meisten Immunitätsfälle, fehlen.
Hauptabstimmung und Unterabstimmungen
Zu einer Vorlage gibt es oft mehrere namentliche Abstimmungen: über einzelne Änderungsanträge, Absätze (§), Erwägungen, dazu die Schlussabstimmung über den gesamten Text. OpenRCV erkennt die Schlussabstimmung (die „Hauptabstimmung") anhand des amtlichen Referenztextes und hebt sie hervor. Die Detailansicht zeigt zuerst ihr Ergebnis; die übrigen Abstimmungen zur Vorlage lassen sich dort auswählen.
Gibt es zu einer Vorlage keine namentliche Schlussabstimmung (etwa weil das Endvotum per Handzeichen erfolgte und nur ein Änderungsantrag namentlich abgestimmt wurde), wird keine Abstimmung als Hauptabstimmung markiert; die Liste der Abstimmungen vermerkt dann „ohne Schlussabstimmung“.
Stimmpositionen
- Dafür / Dagegen / Enthaltung: die abgegebene Stimme.
- Entschuldigt: an diesem Sitzungstag offiziell entschuldigt.
- Nicht abgestimmt: im Mandat, aber bei dieser Abstimmung nicht teilgenommen (ohne offizielle Entschuldigung).
Stimmkorrekturen
Abgeordnete können nach einer Abstimmung zu Protokoll geben, dass sie eigentlich anders stimmen wollten (etwa bei einem Bedienfehler). OpenRCV zeigt solche Korrekturen transparent an: Die ursprüngliche Stimme bleibt sichtbar, die beabsichtigte wird gekennzeichnet.
Wichtig: Das amtliche Ergebnis bleibt von Korrekturen unberührt; sie ändern die offiziellen Stimmenzahlen nicht. Kennzahlen und Statistiken rechnen deshalb mit der amtlichen Stimme; die Seite „Eigene Positionen“ lässt sich auf die Stimme nach Korrektur umstellen.
Die Kennzahlen erklärt
- Teilnahme: Anteil der Abstimmungen während des Mandats, bei denen die Person eine Stimme abgegeben hat (Dafür, Dagegen oder Enthaltung). Entschuldigte Abwesenheit zählt als nicht teilgenommen; das Profil nennt den Wert zusätzlich ohne sie.
- Geschlossenheit (Kohäsion): wie einheitlich eine Fraktion oder ein anderer Block stimmt: der Anteil der abgegebenen Stimmen, der auf die häufigste Position (Dafür, Dagegen oder Enthaltung) entfällt, gemittelt über die Abstimmungen.
- Auf der Mehrheitsseite: bei einer Person der Anteil ihrer eigenen Dafür- und Dagegen-Stimmen in angenommenen oder abgelehnten Abstimmungen, der dem Ergebnis entspricht: Dafür bei angenommenen, Dagegen bei abgelehnten. Enthaltungen und nicht abgegebene Stimmen zählen nicht mit. Bei einer Fraktion der Anteil der angenommenen oder abgelehnten Abstimmungen, in denen ihre Mehrheit so stimmte; eine Enthaltung als Mehrheit zählt mit, aber nie als Treffer.
- Gegen die eigene Fraktion: Anteil der Stimmen, mit denen eine Person anders stimmt als die Mehrheit der eigenen Fraktion. Die eigene Stimme zählt bei der Fraktionsmehrheit nicht mit (Selbstausschluss). Maßgeblich ist die Fraktion am Abstimmungstag; Zeiten ohne Fraktion zählen nicht, denn dort gibt es keine Fraktionslinie. Die Zahl ist keine Wertung: Dahinter kann eine Gewissensentscheidung stehen, die Linie der nationalen Partei oder eine Absprache in der Fraktion.
- Übereinstimmung / Allianzen: wie oft zwei Fraktionen dieselbe Mehrheitsposition einnehmen. Im Profil entsprechend, wie oft eine Person so stimmt wie die Mehrheit einer Fraktion; im Vergleich zweier Abgeordneter, wie oft beide bei den Schlussabstimmungen, an denen beide teilgenommen haben, gleich gestimmt haben.
Mehrheiten: wer ein Ergebnis trägt
Im Abstimmungsdetail steht unter dem Ergebnis, welche Fraktionen es getragen haben und welche rechnerisch entscheidend waren. In der Liste der Abstimmungen findet der Filter „Mehrheit“ alle Schlussabstimmungen, bei denen die Mehrheiten bestimmter Fraktionen dafür oder dagegen stimmten, auf Wunsch über alle Sitzungen. Die Statistik zeigt unter „Mehrheiten“, wie oft welches Muster vorkam. Alle drei rechnen nach denselben Regeln.
- Mehrheit einer Fraktion: die Position (Dafür, Dagegen oder Enthaltung), die unter den abgegebenen Stimmen ihrer Mitglieder am häufigsten vorkommt. Maßgeblich ist die Fraktion am Tag der Abstimmung. Bei Gleichstand hat die Fraktion keine Mehrheit. Die Fraktionsmehrheit ist nicht die ganze Fraktion: Einzelne Mitglieder können anders gestimmt haben, wer nicht abgestimmt hat, zählt nicht mit. Fraktionslose Abgeordnete bilden keine Fraktion und werden nicht genannt, ihre Stimmen zählen aber im Ergebnis.
- Getragen von: die Fraktionen, deren Mehrheit so stimmte, wie das Ergebnis ausfiel, also dafür bei einer angenommenen und dagegen bei einer abgelehnten Abstimmung. Scheitert eine Abstimmung an einer erhöhten Mehrheit, obwohl es mehr Ja- als Nein-Stimmen gab, nennt das Detail stattdessen, wessen Mehrheiten dagegen stimmten.
- Rechnerisch entscheidend: die Fraktionen, ohne deren Ja- und Nein-Stimmen das Ergebnis anders ausgefallen wäre, so als hätten ihre Mitglieder nicht abgestimmt oder sich enthalten. Das ist eine Rechnung, keine Aussage über Absprachen. Große Fraktionen sind dabei naturgemäß öfter entscheidend als kleine.
- Nötige Mehrheit: Meist genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen (mehr Ja als Nein, Enthaltungen zählen nicht, bei Gleichstand ist abgelehnt). Manche Abstimmungen brauchen die Mehrheit der Mitglieder des Parlaments, etwa Einwände gegen delegierte Rechtsakte: mehr Ja-Stimmen als die Hälfte der Abgeordneten im Amt am Abstimmungstag. Einzelne brauchen zusätzlich zwei Drittel der abgegebenen Stimmen, etwa ein Misstrauensantrag. OpenRCV übernimmt die nötige Mehrheit aus den amtlichen Angaben zur Abstimmung; das Parlament nennt sie seit Oktober 2025 bei jeder Abstimmung, vorher nur, wenn sie von der Mehrheit der abgegebenen Stimmen abwich. Lässt sich das amtliche Ergebnis mit der Regel nicht nachrechnen (etwa bei Änderungen am Haushaltsplan), steht keine Angabe zu „entscheidend“.
Der Filter „Mehrheit“ gilt für Schlussabstimmungen, die Statistik je nach gewähltem Datensatz für Schlussabstimmungen oder für alle namentlichen Abstimmungen. Sie zeigt die sechs größten Fraktionen, damit die Muster überschaubar bleiben; im Filter lassen sich alle acht Fraktionen wählen. Das Detail rechnet für jede gewählte Teilabstimmung; für Teilabstimmungen gilt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, wenn die Vorlage selbst sie braucht, sonst entfällt „entscheidend“. Die Angaben beschreiben, wie abgestimmt wurde. Sie werten nicht und benennen keine Koalitionen.
Konstellationen, umstrittene Abstimmungen und Vergleichswert
Die Statistik zeigt unter „Mehrheiten“ auch, welche Fraktionen ein Ergebnis gemeinsam trugen, als Konstellation, für die gewählte Sitzungswoche oder die Wahlperiode und im Verlauf je Halbjahr. Die Wochenbilanz zählt sie über alle namentlichen Abstimmungen der Woche, das Abstimmungsdetail nennt sie für die gewählte Abstimmung. Konstellationen sind Definitionen von OpenRCV, keine verhandelten Koalitionen. Gezählt wird, welche der Fraktionen EVP, S&D, Renew, EKR und PfE mit ihrer Mehrheit auf der Seite des amtlichen Ergebnisses standen: angenommen heißt Dafür, abgelehnt heißt Dagegen.
- EVP, S&D und Renew ohne EKR und PfE: Die Mehrheiten von EVP, S&D und Renew standen auf der Seite des Ergebnisses, die von EKR und PfE nicht.
- EVP, S&D und Renew mit EKR oder PfE: EVP, S&D und Renew und dazu EKR, PfE oder beide.
- EVP, EKR und PfE ohne S&D: EVP, EKR und PfE standen auf der Seite des Ergebnisses, S&D nicht. Renew kann dabei sein; die Statistik nennt, wie oft.
- Andere Konstellationen: alle übrigen Fälle, etwa wenn die Mehrheit der EVP nicht auf der Seite des Ergebnisses stand.
„Ohne“ heißt: nicht mit Mehrheit auf der Seite des Ergebnisses. Die Mehrheit der Fraktion stimmte also anders, enthielt sich, oder die Fraktion hatte bei Gleichstand keine Mehrheit. Mehrheit einer Fraktion ist wie oben die häufigste Position unter den abgegebenen Stimmen ihrer Mitglieder am Tag der Abstimmung; wer sich mehrheitlich enthielt, trug das Ergebnis nicht. Grüne/EFA, The Left, ESN und Fraktionslose ändern die Zuordnung nicht. Scheiterte eine Abstimmung an einer erhöhten Mehrheit, obwohl mehr Ja- als Nein-Stimmen abgegeben wurden, gilt Dagegen als Seite des Ergebnisses. Bei diesen Abstimmungen nennt das Abstimmungsdetail keine Konstellation; gezählt werden sie trotzdem, ebenso in der Wochenbilanz. Abstimmungen ohne amtliches Ergebnis stehen als „ohne Ergebnis“ außerhalb der Konstellationen.
Verlauf: Halbjahre nach dem Abstimmungstag; das laufende Halbjahr ist vorläufig und hat weniger Fälle. Werte aus weniger als 10 Abstimmungen tragen den Hinweis „wenige Fälle“. Viele Abstimmungen zu einer Vorlage können ein Halbjahr prägen. Für alle namentlichen Abstimmungen zeigt die Tabelle darum zusätzlich den Anteil je Vorlage gewichtet: Jede Vorlage zählt einmal, ihre Einzelabstimmungen teilen sich dieses Gewicht. Beispiele: die drei jüngsten Abstimmungen je Konstellation, je Vorlage höchstens eine.
Umstritten: Zwischen 30 und 70 % der Abstimmenden stimmten mit Ja, und mindestens ein Fünftel stimmte mit Nein. Abstimmende sind alle, die Dafür, Dagegen oder Enthaltung gestimmt haben; maßgeblich sind die amtlichen Zahlen. Der Schalter „Nur umstrittene“ zählt nur diese Abstimmungen, und wo er Zahlen ändert, steht darüber, wie viele es sind. Umstritten heißt nicht abgelehnt: Umstrittene Schlussabstimmungen werden meist angenommen, von allen umstrittenen namentlichen Abstimmungen wird dagegen etwa die Hälfte abgelehnt. Ihre Zahl ist deutlich kleiner: Unter 10 umstrittenen Abstimmungen steht „wenige Fälle“, und bei Personen und Parteien mit weniger als 20 gezählten umstrittenen Abstimmungen steht statt eines Prozentwerts „zu wenige Fälle“. Umstritten betrifft das ganze Parlament; gespalten heißt dagegen eine einzelne Fraktion, in der keine Position 60 % ihrer Stimmen erreicht.
Vergleichswert: So oft stünde auf der Seite des Ergebnisses, wer bei jeder Abstimmung Dafür stimmt (wenn mindestens die Hälfte angenommen wurde), sonst wer immer Dagegen stimmt. Gerechnet wird in derselben Menge wie der Anteil daneben, im Profil über die eigenen Stimmen einer Person mit Dafür oder Dagegen bei angenommenen oder abgelehnten Abstimmungen. Der Vergleichswert ist keine Bewertung; er zeigt, welcher Anteil sich allein aus der Verteilung der Ergebnisse ergäbe. Beim Vergleich zweier Abgeordneter steht daneben der Median aller Paare heutiger Abgeordneter mit mindestens 20 gemeinsamen Schlussabstimmungen, insgesamt und je Fraktionspaar.
Gleichstand: Die Regeln bleiben je Kennzahl, wie sie sind. Konstellationen und Mehrheitsmuster werten eine Fraktion im Gleichstand als ohne Mehrheit; in der Statistik gilt bei „Fraktionen“ und „Wer mit wem“ die erste Position in der Reihenfolge Dafür, Dagegen, Enthaltung. „Nur umstrittene“ rechnet jede Kennzahl nach ihrer eigenen Regel, gefiltert und ungefiltert gleich.
Die Wochenbilanz erklärt
Die Wochenbilanz fasst eine Sitzungswoche in wenigen Zahlen zusammen. Sie steht im Plenum über der Liste der Abstimmungen, in der Grafik zum Teilen und im Wochenfeed, überall mit denselben Zahlen. OpenRCV rechnet sie beim Aufbereiten der Daten nach festen Regeln aus den amtlichen Angaben.
- Entscheidungen: alle Abstimmungen im Plenum laut den amtlichen Beschlusslisten, ob namentlich, per Handzeichen, elektronisch oder geheim, jede Teil- und Änderungsabstimmung einzeln; hinfällige und zurückgezogene zählen nicht. Fehlt für einen Sitzungstag mit Abstimmungen die Beschlussliste, nennt die Bilanz nur die namentlichen Abstimmungen.
- Schlussabstimmungen: angenommen, abgelehnt und ohne Ergebnis nach dem amtlichen Ergebnis.
- Kleinster Abstand: die Schlussabstimmung, bei der die wenigsten Ja-Stimmen hätten fehlen oder dazukommen müssen, damit das Ergebnis kippt. Gemessen wird an der nötigen Mehrheit (siehe Mehrheiten): bei der Mehrheit der abgegebenen Stimmen am Abstand zwischen Ja und Nein, bei der Mehrheit der Mitglieder am Abstand zur Schwelle (Hälfte der Abgeordneten im Amt am Abstimmungstag, abgerundet, plus eins). Abstimmungen mit einer anderen Regel, etwa zwei Dritteln, und solche, deren amtliches Ergebnis sich so nicht nachrechnen lässt, zählen nicht mit; es braucht mindestens zwei vergleichbare Schlussabstimmungen. Bei gleichem Abstand gilt die frühere. Beträgt der Abstand höchstens 5 % der Abgeordneten im Amt (rund 36 Stimmen), heißt er Knappstes Ergebnis.
- Gespaltene Fraktionen: Eine Fraktion ist gespalten, wenn mindestens 10 ihrer Mitglieder abgestimmt haben und keine Position (Dafür, Dagegen, Enthaltung) 60 % ihrer Stimmen erreicht, wie in der Statistik. Genannt wird die Schlussabstimmung mit den meisten gespaltenen Fraktionen, bei Gleichstand die mit dem größten Anteil an Abgeordneten, die anders stimmten als die größte Position ihrer Fraktion, dann die frühere. Maßgeblich ist die Fraktion am Tag der Abstimmung; Fraktionslose bilden keine Fraktion. Ist es dieselbe Abstimmung wie beim kleinsten Abstand, steht sie nur einmal da.
- Konstellationen: welche der Fraktionen EVP, S&D, Renew, EKR und PfE mit ihrer Mehrheit auf der Seite des Ergebnisses standen, gezählt über alle namentlichen Abstimmungen der Woche nach denselben Regeln wie in der Statistik (siehe Konstellationen); eine Definition, keine verhandelte Koalition. Der schmale Balken erscheint erst ab 20 namentlichen Abstimmungen.
- Teilnahme: die abgegebenen Stimmen (Dafür, Dagegen, Enthaltung) aller namentlichen Abstimmungen der Woche, geteilt durch die Abgeordneten im Amt am jeweiligen Abstimmungstag. Wer nicht abgestimmt hat, zählt nicht, auch wenn er oder sie anwesend war.
- Vorläufig: Solange die Sitzungswoche läuft, ist die Bilanz vorläufig und nennt ihren Datenstand; sie ändert sich mit jeder neuen Abstimmungsstunde.
Die Bilanz beschreibt, wie abgestimmt wurde. Ein kleiner Abstand oder eine gespaltene Fraktion ist keine Wertung.
Änderungsanträge: wer einbringt, was angenommen wird
Mehr als die Hälfte aller namentlichen Abstimmungen gilt Änderungsanträgen: Vorschlägen, eine Vorlage an einer bestimmten Stelle zu ändern, zu streichen oder zu ergänzen. Im Abstimmungsdetail steht bei jedem Änderungsantrag, wer ihn eingebracht hat, und die Liste der Abstimmungen zu einer Vorlage lässt sich auf die angenommenen beschränken. Die Statistik zeigt im Datensatz „Alle namentlichen“ unter „Änderungsanträge“, wie viele Anträge jede Fraktion namentlich zur Abstimmung gebracht hat, wie viele davon angenommen wurden und wie die Mehrheiten der anderen Fraktionen dazu stimmten. Darunter steht eine durchsuchbare Liste aller dieser Anträge.
- Was zählt: namentliche Abstimmungen, die das Parlament als Änderungsantrag führt, mit Antragsnummer, Antragsdokument oder „Änd.“ in der Bezeichnung. Nicht dazu gehören die Hauptabstimmung einer Vorlage (auch wenn eine vorläufige Einigung formal als Änderungsantrag des Ausschusses abgestimmt wird), getrennte und Teilabstimmungen über den ursprünglichen Text sowie ganze Entschließungsanträge einer Fraktion.
- Eingebracht von: die Angabe des Parlaments zur Abstimmung. Eine oder mehrere Fraktionen, eine Gruppe von Abgeordneten (mindestens ein Zwanzigstel der Mitglieder), der zuständige Ausschuss oder die Berichterstattung. Anträge mehrerer Fraktionen, gemeinsam oder gleichlautend eingebracht, stehen in der Statistik in eigenen Zeilen. Bei einigen Anträgen, vor allem zum Haushaltsplan, nennen die Daten keinen Einbringer; die Statistik weist ihre Zahl aus.
- Angenommen: das amtliche Ergebnis der Abstimmung. Die Annahmequote ist kein Erfolgsmaß. Viele Anträge sollen eine Position sichtbar machen und werden ohne Aussicht auf eine Mehrheit gestellt, andere sind vorher abgestimmt. Wer eine namentliche Abstimmung beantragt, entscheidet zudem selbst, welche Anträge so abgestimmt werden.
- Mehrheit einer Fraktion: wie im Abschnitt Mehrheiten, die häufigste Position unter den abgegebenen Stimmen ihrer Mitglieder am Tag der Abstimmung. Bei Gleichstand hat die Fraktion keine Mehrheit.
Grenzen: Die Daten enthalten den Wortlaut der Anträge nicht, nur Stelle und Nummer. Die Liste verlinkt das Dokument der Vorlage beim Parlament, auf das sich Stelle und Nummer beziehen; die Änderungsanträge selbst veröffentlicht das Parlament in eigenen Sitzungsdokumenten. Anträge, über die per Handzeichen oder elektronisch ohne Namensliste abgestimmt wurde, fehlen, ebenso Anträge, die vor der Abstimmung zurückgezogen wurden oder hinfällig waren. Die Zahlen beschreiben, wie abgestimmt wurde. Sie werten nicht.
Mandatsbezug und Nachrücken
Teilnahme- und Abweichungsquoten beziehen sich nur auf Abstimmungen innerhalb des jeweiligen Mandats. Abgeordnete, die im Lauf der Wahlperiode nachrücken, erhalten keine Werte für Abstimmungen vor ihrem Mandatsbeginn. So bleibt der Vergleich fair.
Aktualität
Die Seite gleicht ihre Daten mehrmals täglich automatisch mit dem Portal ab (neue Abstimmungen montags bis donnerstags von 12 bis 20 Uhr alle zehn Minuten, Stimmkorrekturen täglich von 8 bis 20 Uhr alle zwei Stunden) und wird bei neuen Daten neu erzeugt; der Datenstand steht in der Quellenzeile jeder Seite. Neue Plenarwochen erscheinen, sobald die Daten im Portal verfügbar sind. Stimmkorrekturen werden teils erst Tage später nachgereicht; sie fließen automatisch nach. Die Redebeiträge holt OpenRCV einmal pro Woche neu, samstags.
Sachgebiete: worüber abgestimmt wird
Das Parlament erschließt seine Dokumente mit Schlagwörtern aus EuroVoc, dem mehrsprachigen Thesaurus der EU (Amt für Veröffentlichungen, op.europa.eu/eurovoc). Jedes Schlagwort gehört zu einem Mikrothesaurus und dieser zu einem der 21 Sachgebiete. OpenRCV ordnet nach dieser festen Gliederung zu und nennt die Sachgebiete mit vereinfachten Namen, etwa „Umwelt und Klima“ für ENVIRONMENT oder „EU: Organe, Recht, Haushalt und Erweiterung“ für EUROPEAN UNION.
- Zuordnung: Eine Abstimmung zählt in jedem Sachgebiet, zu dem eines der Schlagwörter ihres Dokuments gehört, und zwar über alle Schlagwörter des Dokuments, die OpenRCV vorliegen (bisher fehlen wenige), nicht nur die ersten acht, die bei einer Vorlage stehen. Darum steht eine Abstimmung oft in mehreren Sachgebieten, und die Zahlen der Sachgebiete ergeben zusammen mehr als die Zahl der Abstimmungen. Manche Schlussabstimmungen tragen (noch) keine Schlagwörter; bei neuen kommen sie meist einige Tage nach der Abstimmung. Sie zählen in keinem Sachgebiet.
- Außerdem: „Länder und Regionen“ und „Internationale Organisationen“ nennen Orte und Organisationen, kein Sachthema. Sie stehen getrennt von den übrigen Sachgebieten.
- Fraktionen je Sachgebiet: der Anteil der Schlussabstimmungen, bei denen die Mehrheit einer Fraktion dafür stimmte (die größte der drei Gruppen Ja, Nein und Enthaltung, Fraktion am Abstimmungstag), gezählt über die Abstimmungen, an denen die Fraktion teilnahm; ein Gleichstand zählt nur im Nenner. Fraktionslose haben keine gemeinsame Linie und keinen Wert. Unter 10 Abstimmungen steht „zu wenige“. Der Vergleichswert ist derselbe Anteil über alle Schlussabstimmungen mit Sachgebiet.
- Einwände gegen Rechtsakte der Kommission (Art. 114 und 115 der Geschäftsordnung) drehen die Bedeutung um: Dafür heißt hier gegen den Rechtsakt. Sie zählen deshalb nicht in die Werte und nicht als angenommene Vorlagen, sondern haben eine eigene Ansicht „Nur Einwände“. Viele Einwände betreffen Zulassungen gentechnisch veränderter Pflanzen und zählen deshalb in mehreren Sachgebieten zugleich. Ebenso bleiben Misstrauensanträge und Anträge, den Standpunkt des Rates abzulehnen, außerhalb der Werte; sie werden nur gezählt.
- Geschlossenheit: der mittlere Anteil der größten Gruppe (Ja, Nein oder Enthaltung) innerhalb der Fraktion, über dieselben Abstimmungen wie die Werte daneben. Es ist dasselbe Maß wie in der Statistik und bei den Blöcken.
- Im Profil zeigt „Mit der eigenen Fraktion je Sachgebiet“, wie oft eine Person bei Schlussabstimmungen wie die Mehrheit ihrer damaligen Fraktion stimmte, ab 10 vergleichbaren Abstimmungen je Sachgebiet. Weil es dort nur um gleich oder anders geht, zählen Einwände mit.
- In der Statistik zählt die Ansicht Sachgebiete Schlussabstimmungen bzw. im Datensatz „alle namentlichen“ jede namentliche Abstimmung; Teilabstimmungen erben die Sachgebiete ihrer Vorlage.
Die Abstimmungslandkarte
Die Abstimmungslandkarte setzt alle Abgeordneten so auf zwei Achsen, dass nah beieinander liegt, wer ähnlich abstimmt. Sie rechnet immer über alle namentlichen Abstimmungen der ganzen Wahlperiode; die Auswahl Schluss oder alle, eine Woche und „Nur umstrittene“ ändern sie nicht. Neu berechnet wird sie mit den Profilen.
- Rechnung: Jede Stimme zählt als Zahl, Dafür 1, Dagegen minus 1, Enthaltung 0; je Abstimmung wird vom Mittel der abgegebenen Stimmen aus gemessen, eine fehlende Stimme zählt wie das Mittel und wirkt also nicht. Eine Hauptkomponentenanalyse sucht die Richtung, in der sich die Stimmen am stärksten unterscheiden (Achse 1), und die nächste davon unabhängige (Achse 2). Neben jeder Achse steht, welchen Anteil der Unterschiede sie erklärt.
- Platz: Der Platz einer Person ergibt sich nur aus ihren eigenen abgegebenen Stimmen, damit kurze Mandate nicht zur Mitte rutschen. Angegeben wird er als Abstand vom Durchschnitt aller Platzierten in Standardabweichungen. Einen Platz gibt es ab 300 abgegebenen namentlichen Stimmen; bis 999 Stimmen gilt er als unsicher und erscheint als hohler Punkt. Wer weniger Stimmen hat, bekommt keinen Platz; die Präsidentin stimmt in der Regel nicht mit.
- Achsen: Die Achsen haben keine feste Bedeutung. Beschrieben werden sie nur danach, welche Fraktionen bei den Abstimmungen, die eine Achse am stärksten prägen, mit ihrer Mehrheit auf welcher Seite standen. Die Ausrichtung von Achse 1 folgt der Sitzordnung im Plenarsaal, die von Achse 2 legt die größte Fraktion auf die positive Seite (in der Ansicht Karte oben); beides ist eine Festlegung der Darstellung, keine Aussage über eine politische Richtung.
- Beispiele je Achse sind Schlussabstimmungen mit großem Gewicht auf ihr, bei denen die Mehrheit jeder für diese Seite genannten Fraktion dafür stimmte. Einwände gegen Rechtsakte, Misstrauensanträge und Anträge auf Ablehnung fehlen dort, weil Dafür bei ihnen dagegen heißt.
- Grenzen: Namentliche Abstimmungen beantragen die Fraktionen gezielt, und viele der Abstimmungen, die eine Achse prägen, sind Änderungsanträge einzelner Fraktionen. Die Karte zeigt deshalb die grobe Lage im Abstimmungsverhalten, nicht die Haltung zu jeder Frage. Für den Vergleich einzelner Personen bleibt „Ähnlichste Abgeordnete“ maßgeblich (die Übereinstimmung bei Schlussabstimmungen); Abstände auf der Karte geben sie nur ungefähr wieder.
Grenzen & Hinweise
- Erfasst ist die 10. Wahlperiode seit Juli 2024; ältere Abstimmungen fehlen.
- Die Kennzahlen rechnen zunächst mit den Schlussabstimmungen je Vorlage. Statistik und Profile lassen sich auf alle namentlichen Abstimmungen umschalten, also samt Änderungsanträgen und Teilabstimmungen; die Abstimmungsdetails zeigen sie immer. Die Übersicht der Abgeordneten, der Vergleich und die Seite Fraktionen und Länder zählen Schlussabstimmungen; dort nennt nur „Am stärksten gespalten“ zusätzlich die Zahl über alle namentlichen Abstimmungen. Die Abstimmungslandkarte rechnet immer mit allen.
- Fast überall gelten Fraktion, Partei und Land am Abstimmungstag, Ausgeschiedene eingeschlossen: Wer wechselt, zählt bis zum Wechsel bei der alten Fraktion, danach bei der neuen. So rechnen Statistik, Profile, Abstimmungsdetails und die Ansicht Partei, in der Ansicht Fraktion außerdem die Geschlossenheit je Halbjahr, in der Ansicht Mitgliedstaat die Teilnahme und in beiden alle Abschnitte unter der internen Stimmverteilung, etwa „Am stärksten gespalten“.
- Mit den heutigen Abgeordneten und ihrer heutigen Fraktion, über alle ihre Schlussabstimmungen der Wahlperiode, rechnen dagegen in den Ansichten Fraktion und Mitgliedstaat die Mitgliederzahl, Geschlossenheit, Mehrheitsseite und interne Stimmverteilung, oben wie in der Übersicht. Dieselbe Geschlossenheit nutzt die Statistik für die Delegationen unter „Verteilung“. Die Abstimmungslandkarte in Statistik, Profil und Vergleich ordnet die Punkte nach der heutigen Fraktion. Geschlossenheit und Mehrheitsseite weichen deshalb leicht von den Werten der Fraktionen in der Statistik ab.
- OpenRCV ist ein unabhängiges Projekt. Maßgeblich ist stets das amtliche Ergebnis des Europäischen Parlaments; Einzelheiten siehe Impressum & Hinweise.
Begriffe von A bis Z
Fachbegriffe sind auf den Seiten beim ersten Vorkommen gepunktet unterstrichen. Antippen, Klicken oder Enter zeigt eine kurze Erklärung mit einem Verweis hierher; wer die Begriffe kennt, schaltet die Markierung hier, im Blatt „Mehr“ oder unten in der Seitenleiste aus.
- Abstimmungslandkarte
Die Abstimmungslandkarte setzt alle Abgeordneten mit genug Stimmen so auf zwei Achsen, dass nah beieinander liegt, wer ähnlich abstimmt. Sie rechnet über alle namentlichen Abstimmungen der Wahlperiode; die Achsen werden nur danach beschrieben, welche Fraktionen sie trennen.
- Abweichung von der Fraktion
Eine Abweichung ist eine Stimme gegen die Mehrheit der eigenen Fraktion bei derselben Abstimmung. Die eigene Stimme zählt bei der Fraktionsmehrheit nicht mit; maßgeblich ist die Fraktion am Tag der Abstimmung.
- Änderungsantrag
Ein Änderungsantrag schlägt vor, eine Vorlage an einer bestimmten Stelle zu ändern, zu streichen oder zu ergänzen. Einbringen können ihn Fraktionen, eine Gruppe von mindestens einem Zwanzigstel der Mitglieder, der zuständige Ausschuss oder die Berichterstattung.
Mehr dazu: Änderungsanträge: wer einbringt, was angenommen wird
- Auf der Mehrheitsseite
Auf der Mehrheitsseite steht, wer so stimmt, wie das Plenum entscheidet: dafür bei angenommenen, dagegen bei abgelehnten Abstimmungen. Bei einer Person ist die Kennzahl der Anteil ihrer eigenen Dafür- und Dagegen-Stimmen, der dem Ergebnis entspricht (Enthaltungen zählen nicht mit), bei einer Fraktion der Anteil der Abstimmungen, in denen ihre Mehrheit so stimmte.
- Aussprache
Eine Aussprache ist die Debatte im Plenum zu einem Punkt der Tagesordnung, oft mit Beiträgen von Kommission und Rat. Die Redezeit wird vorab auf die Fraktionen verteilt, das Wort erteilt der Sitzungsvorsitz.
- Berichterstattung
Die Berichterstattung übernimmt ein Mitglied des zuständigen Ausschusses, manchmal gemeinsam mit anderen: Es entwirft den Bericht, verhandelt über Änderungen und stellt das Ergebnis im Plenum vor. Entschließungsanträge haben keine Berichterstattung; bei ihnen steht, wer sie eingereicht hat.
- Einwand nach Art. 114 oder 115 GO
Mit einem Einwand nach der Geschäftsordnung widerspricht das Parlament einem delegierten Rechtsakt (Art. 114) oder einem Durchführungsrechtsakt (Art. 115) der Kommission; wer für den Einwand stimmt, stimmt also gegen den Rechtsakt. Ein Einwand nach Art. 114 braucht die Mehrheit der Mitglieder des Parlaments, nach Art. 115 je nach Rechtsakt diese oder die Mehrheit der abgegebenen Stimmen; OpenRCV übernimmt die nötige Mehrheit aus den amtlichen Angaben.
- Enthaltung, nicht abgestimmt, entschuldigt
Eine Enthaltung ist eine abgegebene Stimme, weder dafür noch dagegen. „Nicht abgestimmt“ heißt: im Mandat, aber an dieser Abstimmung nicht teilgenommen, ohne offizielle Entschuldigung; „Entschuldigt“ heißt: an diesem Sitzungstag offiziell entschuldigt.
- Entschließung
Mit einer Entschließung bezieht das Parlament Stellung, etwa zu aktuellen Ereignissen oder zur Lage in einem Land; Gesetzeskraft hat sie nicht. Die Anträge reichen Fraktionen, Ausschüsse oder einzelne Abgeordnete ein, eine gemeinsame Entschließung geht auf einen Antrag mehrerer Fraktionen zurück.
- EuroVoc
EuroVoc ist der mehrsprachige Thesaurus der EU, mit dem das Parlament seine Dokumente verschlagwortet. OpenRCV übernimmt diese amtlichen Schlagwörter (auf den Seiten auch Themen genannt) und ihre Gliederung in 21 Sachgebiete; eine Abstimmung kann mehrere Schlagwörter haben.
- Federführender Ausschuss
Der Ausschuss, der einen Bericht für das Plenum erarbeitet. Entschließungen und Einwände kommen oft ohne federführenden Ausschuss ins Plenum.
- Fraktionslos
Fraktionslose Abgeordnete gehören keiner Fraktion an, also keinem der Zusammenschlüsse von Abgeordneten ähnlicher politischer Richtung aus mehreren Mitgliedstaaten. Ihre Stimmen zählen im Ergebnis wie alle anderen; wo OpenRCV sie gemeinsam ausweist, sind sie keine politische Gruppe mit gemeinsamer Linie.
Mehr dazu: Mehrheiten: wer ein Ergebnis trägt · Video: Das Parlament
- Geschlossenheit
Die Geschlossenheit zeigt, wie einheitlich eine Fraktion oder ein anderer Block stimmt: der Anteil der abgegebenen Stimmen, der auf die häufigste Position entfällt (Dafür, Dagegen oder Enthaltung), gemittelt über die Abstimmungen. 100 Prozent heißt, alle Abstimmenden haben gleich gestimmt.
- Getragen von, rechnerisch entscheidend
Getragen haben ein Ergebnis die Fraktionen, deren Mehrheit so stimmte, wie es ausfiel; rechnerisch entscheidend sind die, ohne deren Ja- und Nein-Stimmen es anders ausgefallen wäre. Das ist eine Rechnung, keine Aussage über Absprachen; große Fraktionen sind naturgemäß öfter entscheidend als kleine.
- Konstellation
Eine Konstellation gibt an, welche der Fraktionen EVP, S&D, Renew, EKR und PfE mit ihrer Mehrheit auf der Seite des amtlichen Ergebnisses standen; OpenRCV unterscheidet vier, etwa „EVP, EKR und PfE ohne S&D“. Das ist eine Definition von OpenRCV, keine verhandelte Koalition.
- Mehrheit der abgegebenen Stimmen
Meist genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen: mehr Ja- als Nein-Stimmen, Enthaltungen zählen nicht, bei Gleichstand ist abgelehnt. Wo Verträge oder Geschäftsordnung es vorschreiben, braucht es mehr, etwa die Mehrheit der Mitglieder des Parlaments, bei einem Misstrauensantrag zusätzlich zwei Drittel der abgegebenen Stimmen.
- Mehrheit der Mitglieder
Manche Abstimmungen brauchen mehr Ja-Stimmen als die Hälfte der Abgeordneten im Amt am Abstimmungstag, etwa Einwände gegen delegierte Rechtsakte. Anders als bei der Mehrheit der abgegebenen Stimmen wirken Enthaltungen und fehlende Stimmen dann wie Nein-Stimmen.
- Mehrheit einer Fraktion
Die Mehrheit einer Fraktion ist die Position (Dafür, Dagegen oder Enthaltung), die unter den abgegebenen Stimmen ihrer Mitglieder am häufigsten vorkommt. Wer nicht abgestimmt hat, zählt nicht mit; bei Gleichstand hat die Fraktion keine Mehrheit.
- Namentliche Abstimmung
Bei einer namentlichen Abstimmung wird festgehalten, wie alle Abgeordneten einzeln gestimmt haben. Abstimmungen per Handzeichen oder elektronisch mit Gesamtzahlen haben keine Einzelstimmen; OpenRCV wertet deshalb nur namentliche Abstimmungen aus.
Mehr dazu: Was ist eine namentliche Abstimmung? · Video: Das Parlament
- Nicht beteiligt (Rat)
Ein Mitgliedstaat ist an einer Abstimmung im Rat nicht beteiligt, wenn der Rechtsakt für ihn nicht gilt, etwa für Dänemark und Irland bei Teilen von Justiz und Inneres oder für Staaten außerhalb einer verstärkten Zusammenarbeit. Er zählt dann bei keiner Mehrheit mit.
- Qualifizierte Mehrheit
Im Rat der EU ist ein Rechtsakt mit qualifizierter Mehrheit angenommen, wenn mindestens 55 % der Mitgliedstaaten zustimmen und sie mindestens 65 % der Bevölkerung vertreten; nehmen nicht alle teil, zählen nur die beteiligten. Enthaltungen wirken wie Gegenstimmen, und eine Sperrminorität braucht mindestens vier Staaten.
- Sachgebiet
Ein Sachgebiet ist einer der 21 Bereiche des EuroVoc-Thesaurus, etwa Umwelt und Klima oder Verkehr. Eine Abstimmung zählt in jedem Sachgebiet, zu dem eines der Schlagwörter ihres Dokuments gehört, oft in mehreren.
- Schattenberichterstattung
Abgeordnete, die für ihre Fraktion einen Bericht begleiten, den eine andere Fraktion als Berichterstattung übernommen hat.
- Schlagwort
Ein Schlagwort ist ein Begriff aus dem EuroVoc-Thesaurus, mit dem das Parlament ein Dokument erschließt, etwa Lebensmittelsicherheit. Auf den Seiten heißen die Schlagwörter auch Themen; bei einer Vorlage stehen höchstens acht.
- Schlussabstimmung
Die Schlussabstimmung ist die Abstimmung über den gesamten Text einer Vorlage, nach den Abstimmungen über Änderungsanträge und einzelne Teile. OpenRCV erkennt sie am amtlichen Referenztext; das Ergebnis oben auf einer Detailseite bezieht sich auf sie.
- Schriftliche Erklärung
Zu einer Aussprache können Mitglieder eine schriftliche Erklärung abgeben, statt zu reden (Artikel 178 der Geschäftsordnung). Sie steht im Wortprotokoll, wurde aber nicht gesprochen und hat deshalb keine Uhrzeit und keine Redezeit.
- Stimmkorrektur
Mit einer Stimmkorrektur geben Abgeordnete nach der Abstimmung zu Protokoll, dass sie anders stimmen wollten, etwa nach einem Bedienfehler. Das amtliche Ergebnis ändert sich dadurch nicht; OpenRCV zeigt die ursprüngliche Stimme und kennzeichnet die beabsichtigte.
- Teilabstimmung
Teilabstimmungen sind die namentlichen Abstimmungen zu einer Vorlage vor der Schlussabstimmung, etwa über einzelne Änderungsanträge, Absätze (§) oder Erwägungen. Sie bestimmen, welcher Text am Ende zur Abstimmung steht; über die Vorlage als Ganzes entscheidet die Schlussabstimmung.
- Teilnahme
Die Teilnahme ist der Anteil der möglichen Stimmen, die tatsächlich abgegeben wurden, dafür, dagegen oder als Enthaltung; gezählt werden nur Abstimmungen während des Mandats. Wo ein zweiter Wert steht, lässt er die Tage heraus, an denen jemand offiziell entschuldigt war.
- Umstritten
Umstritten heißt bei OpenRCV eine Abstimmung, bei der zwischen 30 und 70 % der Abstimmenden mit Ja stimmten und mindestens ein Fünftel mit Nein (Enthaltungen zählen zu den Abstimmenden). Das betrifft das ganze Parlament; gespalten heißt dagegen eine einzelne Fraktion, in der keine Position 60 % ihrer Stimmen erreicht.
- Verfahrensart und Lesung
Die Verfahrensart legt fest, wie Parlament und Rat beteiligt sind: Im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren entscheiden beide gleichberechtigt, in bis zu drei Lesungen; im Zustimmungsverfahren stimmt das Parlament nur zu oder lehnt ab, im Anhörungsverfahren gibt es eine Stellungnahme ab, und der Rat entscheidet. Die meisten Gesetze werden heute schon in erster Lesung beschlossen, nach einem Kompromiss von Parlament und Rat im Trilog.
- Vorgesehene Redezeit
Redezeit, die die Tagesordnung je Aussprache den Fraktionen zuteilt. Ein Teil geht zu gleichen Teilen an alle Fraktionen, der Rest nach Größe.
- Wortmeldung
Eine Wortmeldung ist ein Beitrag zu einer Aussprache im Plenum, wie das EP ihn in seinen offenen Daten führt: wer, zu welchem Punkt, wann und wie lange. Beiträge vom Vorsitz aus und schriftliche Erklärungen sind in der Rednerliste gekennzeichnet und zählen in den Redezahlen nicht mit.
- Wortprotokoll
Das Wortprotokoll (ausführlicher Sitzungsbericht) gibt die Aussprachen im Plenum wörtlich wieder, jede Rede in der Sprache, in der sie gehalten wurde. OpenRCV zeigt diesen Wortlaut unverändert und übersetzt ihn nicht.
- Zeit seit dem Bericht
Tage vom Datum des Ausschussberichts für das Plenum bis zur namentlichen Schlussabstimmung. Bei Gesetzgebung mit Einigung mit dem Rat enthält sie die Verhandlungen.
Quelle: Europäisches Parlament, offene Daten (CC BY 4.0), aufbereitet von OpenRCV.
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